Briefe gegen Einsamkeit

Viele Menschen können aufgrund ihres Alters oder Krankheit nur noch wenig am öffentlichen Leben teilnehmen. Oft bringt dies Isolation und Einsamkeit für die Betroffenen mit sich. Die Organisation "Stift & Papier" möchte Menschen in sozialer Isolation wieder zum Lächeln bringen. Sie schlägt mit Hilfe von Briefen eine Brücke zwischen den Generationen. Mitgründer Christian Kaub erzählt im Interview von der Idee. Und vielleicht haben Sie danach Lust auch Papier und Stift in die Hand zu nehmen und einem fremden Menschen ein wenig Freude zu bereiten?

Herr Kaub, was ist das Besondere an einem Brief?

In unseren digitalen Zeiten ist der Brief eigentlich aus der Mode gekommen. Er versprüht Nostalgie und Charme und hat im Vergleich zu einer Textnachricht einen viel höheren Stellenwert. Wenn man etwas wirklich Wichtiges zu sagen hat, schreibt man einen Brief: Das macht Eindruck.

Ein Brief ist aber auch das Kommunikationsmittel, welches der älteren Generation vertraut ist, mit Stift und Papier kennen sich Senioren aus. Es ist ein Kulturgut, das verbindet – und somit perfekt geeignet für ein Gespräch zwischen Jung und Alt.

Welche Idee steckt hinter der Organisation Stift & Papier?
 

Viele Menschen in Deutschland leben in Einrichtungen und sind aufgrund von Alter, Krankheit oder aus anderen Gründen vom öffentlichen Leben eher abgeschnitten. Ihre soziale Vereinsamung verstärkte sich während der Corona-Pandemie 2020 dramatisch.
Ganz konkret bewusst wurde uns das Problem im Zusammenhang mit unserem mittlerweile verstorbenen Freund Hein Bollow. Die Jockey-Legende der Kölner Rennbahn lebte in einer Einrichtung, kam jedoch auch mit weit über 90 Jahren noch zu jedem einzelnen Galopprennen. Als die Coronapandemie 2020 zuschlug, war es damit vorbei und wir überlegten im Freundeskreis, wie wir Hein Bollow in seiner Isolation eine Freude machen könnten.
In einer kleinen Facebook-Gruppe kamen wir auf die Idee, Briefe für Hein zu sammeln. Aus dieser Initialzündung entstand 'Stift & Papier', wir vermitteln nun Briefe zwischen vielen Senioren in Einrichtungen und Menschen aus ganz Deutschland.

Wie läuft die Vermittlung von Briefen ab?
 

Entweder meldet man sich als Privatperson bei uns und registriert sich als Interessierter. Nach einer gewissen Zeit, die wir für die Vermittlung brauchen, bekommt der Briefeschreiber eine Zuweisung von uns und er kann mit seinem Brief loslegen.

Oder Einrichtungen kommen auf uns zu, damit Briefe bei ihren Bewohnern landen können. Wir arbeiten bereits mit über 450 Einrichtungen zusammen, sind aber immer auf der Suche nach Institutionen, die ihren Senioren etwas Gutes tun möchten – wir freuen uns also über jede Einrichtung, die Kontakt zu uns aufnimmt.

Wie kam das Projekt an?

Die Initiative war von Anfang an ein Erfolg. Wir haben anfangs unsere Gründungsmitglieder im Freundeskreis zusammengetrommelt und uns gefragt: Wer hat welche Qualitäten und wie können sie bestmöglich eingesetzt werden? Wie können wir unsere Expertisen auf die Organisation übertragen?

So ist 'Stift & Papier' schnell durch die Decke gegangen. Anscheinend möchten nicht nur wir der älteren Generation über das Schreiben von Briefen etwas zurückgeben.

Wie sind die Rückmeldungen?
 

Seit März 2020 vermitteln wir Briefe und das Interesse wird nicht kleiner, im Gegenteil: Es melden sich deutlich mehr Schreib-Interessierte, als wir Einrichtungen auf der Gegenseite haben. Es sind Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen dabei, interessanterweise auch gerade diejenigen, die gefühlt ihr halbes Leben in den sozialen Netzwerken verbringen. Wir konnten tolle Botschafter und Partner für unsere Organisation gewinnen und haben über Medien, Instagram und Facebook Aufmerksamkeit generieren können.
Wir konnten bisher über 40.000 Briefe vermitteln – das ist doch toll! Auch das Feedback von den Einrichtungen ist sensationell. Fast täglich erreichen uns Rückmeldungen, wie sehr sich die Bewohner über ihre Briefe freuen.
Und genau das ist unser Ziel: Wir möchten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Welche Infos sind für mich wichtig, wenn ich einen Brief schreiben möchte?
 

Wir arbeiten im Team alle ehrenamtlich und betreuen 'Stift & Papier' neben unseren Vollzeitjobs. Für die Briefeschreiber bedeutet das vor allem:

  • Die Vermittlung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen
  • Eine direkte Zuweisung ist zu aufwendig, deswegen schreiben Sie an eine anonyme Person. Die Einrichtung verteilt die Briefe dann an ihre Bewohner vor Ort.
  • Auch wenn manchmal andauernde Brieffreundschaften entstehen können: Es besteht kein Anspruch auf eine Antwort! Manche Senioren sind schlichtweg physisch nicht mehr fähig zu schreiben oder haben andere Einschränkungen, das sollten wir nicht vergessen. Wer bei uns mitmachen möchte, sollte keine Erwartungen mitbringen, sondern einfach jemand anderem eine Freude machen wollen.

Für Interessierte haben wir auch eine Übersicht mit häufig gestellten Fragen zusammengestellt.

Welche Tipps haben Sie für das Schreiben eines Briefs?

 

Wenn man einmal angefangen hat, ist es meistens gar nicht so schwer. Schreiben Sie groß und leserlich, damit auch ältere Menschen Ihre Handschrift gut entziffern können. Beginnen Sie Ihren Brief mit "Liebe/r Bewohner/in …" oder "Lieber Mensch" und erzählen Sie am besten etwas über sich: Wer Sie sind, woher Sie kommen, eine Geschichte oder einen kleinen Schwank aus Ihrem Leben.
Teilen Sie Ihre Erfahrungen und ganz wichtig: Verbreiten Sie Freude und gute Laune! Der Brief soll den Empfänger ja glücklich machen. Wer möchte, kann den Brief um eine kleine Bastelei oder etwas Gemaltes ergänzen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.


Lust mitzumachen? Hier gibt es mehr Infos:

Webseite Stift & Papier: www.stiftundpapier.org
Enstehungsgeschichte & Team: Video auf youtube
 

Hier finden Sie uns


Kargl Schreibkultur
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